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Das Erbe der Teeblüten
eBook - Ein historischer Liebesroman im England des 19. Jahrhunderts, Kensington Crown-Saga, Neuausgabe / New edition, Neuausgabe / New edition
Beschreibung
Über Selbstbestimmung, Mut und die Macht von zweiten Chancen
Der bewegende Dilogie-Abschluss eines Kampfes nach Unabhängigkeit im 19. Jahrhundert
London, 1883: Maryanne hat endlich ihren Traum verwirklicht. Unter ihrer Leitung ist das Kensington Crown zu der beliebtesten Teestube Londons geworden und die finanziellen Sorgen gehören der Vergangenheit an. Allein die Nachricht von Edwards Vermählung trifft sie schwer. Ablenkung findet Maryanne zum Glück in ihrer Arbeit, die ihr Leben maßgeblich prägt. Doch nicht nur die Teestube, sondern auch die Freundschaft zu Robert geben ihr Halt. Als sie den Wert dieser Verbindung erkennt, scheint sich ihr auch das private Glück endlich zuzuwenden. Doch das Schicksal hat andere Pläne und erneut steht Maryanne vor der Bedrohung, die Leitung ihrer Teestube und ihre hart erkämpfte Unabhängigkeit zu verlieren. Mit Unterstützung von einflussreichen Verbündeten setzt sie alles daran, um den Kampf um ihr Vermächtnis zu gewinnen. Aber wird es ihr gelingen, die Teestube zu behalten und die lang ersehnte Liebe zu finden?
Erste Leser:innenstimmen
„Ein wunderbarer historischer Romanüber Liebe, Verlust und das unermüdliche Streben nach Glück.“
„Maryanne ist eine beeindruckende Figur– stark, unabhängig und entschlossen, für ihre Rechte zu kämpfen.“
„Claudia Romes schafft es, historische Themen auf spannende Weise in die Geschichte einzubinden, was dem Liebesroman eine besondere Tiefe verleiht.“
„Eine mitreißende Liebesgeschichte mit bewegendem Happy End!“
Leseprobe
Kapitel 1
Kensington, Anfang 1883
Als eine der ersten Amtshandlungen nach ihrer Krönung ließ sich Königin Victoria eine Tasse Tee bringen. Sie wisse jetzt, dass sie tatsächlich regiere, sollen ihre Worte dabei gewesen sein.
Auch wenn sie an diesem schicksalhaften Tag das Teetrinken zum Kulturgut erklärte, wurde die Tradition in den britischen Teehäusern gelebt und perfektioniert. Maßstab dafür war die royale Etikette:
Beim Trinken soll die Tasse mitsamt Untertasse aufgenommen und nur ein kleines Stück zum Mund angehoben werden. Es gilt als unrühmlich, den kleinen Finger abzuspreizen.
Bei der Zugabe von Milch (bevor oder nachdem der Tee in die Tasse eingeschenkt wurde) zeigt sich die Gesellschaft durchaus aufgeschlossen. Beides ist erlaubt. Wenngleich auch die Milch vor dem Tee das feine Porzellan zu schützen vermag, aus dem verbindlich serviert und getrunken wird.
Maryanne Landerton hatte jene Regeln verinnerlicht. Mehr als drei Jahre waren vergangen, seit sie sich des Kensington Crown angenommen hatte. Der Tod ihres Vaters war damals ausschlaggebend gewesen. Auf dem Sterbebett hatte sie ihm das Versprechen gegeben, sich um das familieneigene Teehaus zu kümmern. Ein Vorhaben, das sie nicht nur in eine ungewisse Zukunft führen sollte, sondern für eine junge Frau auch vollkommen inakzeptabel war. Die Londoner hatten Schwierigkeiten damit gehabt, eine Frau in einer Männerdomäne zu akzeptieren. Dennoch war es Maryanne nach einigen Herausforderungen gelungen, sich zu etablieren. Zwar gab es immer noch Menschen, die sie aufgrund ihres Lebensstils ablehnten – immerhin weigerte sie sich strikt zu heiraten und löste sich damit aus den Erwartungen, die die Gesellschaft an eine Frau ihrer Zeit hatte –, doch es gab auch solche, die sie für ihren Mut bewunderten. Für Lady Drummond jedenfalls, die sich regelmäßig mit ihrer Gruppe der fortschrittlichen Damen im Hinterhaus des Kensington Crown traf, war Maryanne eine Inspiration. Ein Freigeist, der allen Frauen mit gutem Beispiel voranging. Bei kräftigem Schwarzen Tee, Kuchen und Sandwiches diskutierten sie über die Rechte der Frauen und hielten Forderungen für das Parlament fest. Maryanne war stolz, diese Gruppe unter ihrem Dach zu wissen, deren Einsatz – da hatte sie keine Zweifel –, allen eines Tages zugutekommen würde. Doch nicht nur die einflussreiche Lady Drummond hatte ihren Teil dazu beigetragen, dass das Kensington Crown wieder in altem Glanz erstrahlte. Es war auch jenen zu verdanken, denen die Traditionen am Herzen lagen. Stammgäste füllten die Stube und sprachen ihre Empfehlungen unter Freunden und Bekannten aus. So war das Teehaus, das Maryannes Vater so wichtig gewesen war, zu einem der beliebtesten Treffpunkte Londons geworden. Ein Ort, an dem die feine Gesellschaft mit Freuden verkehrte, wo Familien und Freunde in der gemütlichen Gaststube zusammenkamen. An dem aber auch neben all der Behaglichkeit, Toleranz und Fortschritt ihren Platz hatten. Und Maryanne galt als dessen gute Seele. Nicht zuletzt hatte sie deshalb die leise Hoffnung darauf, eines Tages auch dessen Eigentümerin zu sein. Als Erbe und Familienoberhaupt verwaltete ihr Bruder Anthony das gesamte Vermögen und den Besitz der Landertons von seinem Wohnsitz in York aus. Obgleich Maryanne dieser Umstand, allein schon durch Anthonys ständige Abwesenheit, nicht immer bewusst war, war da doch dieses dumpfe Gefühl, das sich hin und wieder bemerkbar machte, und sie daran erinnerte, dass sie in einer fortwährenden Abhängigkeit zu ihm lebte. Dass der schöne Schein des Kensington Crown, für den sie verantwortlich war, ihm zustand, und sie, trotz all ihrer Bemühungen, keinerlei Anspruch darauf hatte. Ironischerweise hatte Anthony keinen Bezug zum Teehaus. Sein Interesse galt einzig seiner Druckerei. Obwohl er zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vorzuhaben schien, das Kensington Crown zu veräußern, umgab Maryanne dennoch die ständige Angst davor, er könnte seine Meinung ändern. Wann immer diese Angst in ihr anschwoll, klammerte sie sich an das Vertrauen in Lady Drummond. Daran, dass deren Forderung nach einer Änderung des Erb- und Besitzrechts für Frauen beim Parlament Gehör fand. Vielleicht, so dachte Maryanne dann, würde sie eines Tages mit einem Schmunzeln auf die Tage ihrer Abhängigkeit zurückblicken, so wie sie inzwischen auf die Zeit zurückschaute, in der von ihr einzig erwartet wurde, eine gute Partie zu machen – den Weg der ehrbaren Frau zu gehen und sich einem Dasein als Ehefrau und Mutter zu verschreiben.
Mit den Jahren war jene Bevormundung leiser geworden, aber nie ganz verstummt. Immerhin hatten die meisten Menschen um sie herum begriffen, dass sie andere Ziele im Leben verfolgte. Dass sie sich dem Teehaus widmen wollte und ihrer Freiheit – als Mensch und weniger als Frau. Das Geschlecht, so sagte sie inzwischen jedem, der mit ihrer Lebensweisheit noch nicht vertraut war, sei unbedeutend, wenn es darum gehe, sich zu verwirklichen. Mittlerweile hatten sich ihre Mutter und sogar ihre strenge Tante Ursula damit abgefunden, dass es Maryanne nicht auf eine Heirat ankam. Letztere besuchte sie nun sogar mit einer gewissen Regelmäßigkeit im Kensington Crown, ließ sich von ihr über die neu eingetroffenen Teesorten unterrichten und wich so manches Mal sogar von ihrem altbewährten Kräutertee ab, um eine der exotischen Sorten zu kosten, die aus den Kolonien eintrafen. Oolong, Darjeeling, Ceylon … Und manchmal glaubte Maryanne, so etwas wie Bewunderung in den grauen Augen ihrer Tante aufblitzen zu sehen, und Stolz löste ihre Unsicherheit ab. Denn Ursula, die immerzu betont hatte, dass eine Dame nicht arbeite, dass nur eine Anstellung als Gesellschafterin oder Gouvernante für eine junge Frau akzeptabel sei, schien von ihr bekehrt worden zu sein.
***
»Henry hat geschrieben.« Bertha betrat die Küche, in der Maryanne gerade Teeblätter in die Kannen füllte. Erschrocken schaute sie zu ihr auf, ließ den Messlöffel sinken und hielt den Atem an. Selten hatte sie ihre Mutter aufgewühlter gesehen.
»Geht es … Geht es Trudi gut?«
Ihre Mutter sank in einen Stuhl, fasste sich keuchend an die Brust, dann nickte sie strahlend. »Deine Schwester hat alles ohne Schwierigkeiten überstanden.«
»Und … das Kind?«
»Ein strammer, kleiner Junge.« Freudig wedelte Bertha mit dem Brief in der Hand. »Beide sind wohlauf.«
Maryanne prustete erleichtert, ging auf sie zu und las sich die Nachricht ihres Schwagers durch.
»Wie wundervoll!«, sagte sie gerührt. »Ich freue mich so sehr für sie.«
Seit sie erfahren hatte, dass Gertrud ein Kind erwartete, hatte sie um deren Wohlergehen gebangt. Immer wieder hatte sie aus Londoner Kreisen gehört, wie gefährlich eine Geburt für die Mutter sein konnte. Zu erfahren, dass Gertrud alles unbeschadet überstanden hatte, ließ sie aufatmen.
»Wir sollten sie schnellstmöglich besuchen. Denkst du nicht auch?« Bertha sah sie mit großen Augen an.
»Gewiss … doch. Ja …« Maryanne druckste herum, abwägend ließ sie ihren Blick umherschweifen. Das Geschirr stapelte sich in der Spüle. Die Auftragsbücher waren zum Bersten voll. Noch dazu stand die monatliche Abrechnung an, auf die ihr Bruder penibel bestand. Bisher war ihr dafür einfach keine Zeit geblieben.
»Du solltest fahre...
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